"LICHTSEITEN": Keramikausstellung im zak

Wiesbadener kurier 10.04.2017

„Lichtseiten“ ist der Titel einer neuen Ausstellung, die am Samstag im Zentrum Alte Kirche (ZAK) Niedernhausen eröffnet wurde. 15 Künstlerinnen der Keramikgruppe um Ines Nickchen zeigen dort bis zum 23. April Objekte aus Ton, Porzellan und Glas.

 

Joachim Reimann, Bürgermeister von Niedernhausen, begrüßte die zahlreichen Gäste und freute sich über diese zweite Schau des Künstlerkreises im ZAK. Und auch über den Fokus Licht, gerade angesichts der vielen Schattenseiten, über die in jeder Nachrichtensendung so ausgiebig berichtet werde.

 

Bei der Vernissage konnte man auf die Idee kommen, das Licht selbst sei als Ehrengast zu der ihm gewidmeten Schau geladen, so hell und eindringlich schickte es seine Strahlen durch die hohen Kirchenfenster und brach sich in sehr unterschiedlichen Exponaten. Und die strahlten zurück, manche weil sie tatsächlich mit kaum sichtbaren Lämpchen präpariert sind, die durch Glas oder Tonöffnungen Licht ins Kirchenschiff schicken, andere weil leuchtende Farben auf dunklem Fonds die Arbeiten zum Leben erwecken, wie etwa die Lichter der „Polarnacht“ von Gudrun Freitag.

 

Ines Nickchen selbst ist im ZAK mit diversen Objekten vertreten. Von Haus aus ist sie Biologin und Geografin, gebürtig aus Berlin. Ihr Wissen über Keramiken hat sie in Japan erworben und eigene Werkstätten in Bangkok, Berlin und in Moskau betrieben, bevor sie im Jahr 2000 ein Atelier in Glashütten eröffnete.

 

Im ZAK zeigt sie unter anderem einen kapitalen, aber sehr filigran gearbeiteten blauen Pillendreher aus der Familie der Blatthornkäfer. Dessen gepanzerten Rücken ziert eine Art Lochmuster, durch das Licht entweicht. Ebenfalls dezent ausgeleuchtet werden sechs lachsfarbene, zu einem Bild arrangierte Tonkacheln, auf denen cremefarbene Chrysanthemen ranken. Die Chrysantheme ist die Nationalblume Japans und steht für die Sonne. Letztere ist – wie auch der Mond – ein eigenständiges Sujet der Ausstellung ebenso wie das Thema Frieden, das mehrfach aufgegriffen wird. Als wäre er geblendet von all diesen hellen Impressionen, bricht Günther Szogs vom Europäischen Bildungspreis Leonardo eine Lanze für den unvermeidlichen Kontrapunkt: „Wir brauchen auch das Dunkel“, sagt er und zeigt auf die Kolonie tönerner Pinguine, die sich mitten in der Kirche auf türkisfarben illuminierten Eisschollen aus satiniertem Glas trollen. Es ist das Objekt „Antarktische Eiswüste“ von Trudi Trautmann. Und es liegt Szogs deshalb am Herzen, weil er die Pinguine daheim in der Kälte schon besucht hat, wobei er viele Nuancen von hell und dunkel entdeckte, nicht nur im klassischen Schwarz-weiß-Look dieser großen, tapsigen Vögel. Neben Szogs stellen noch andere Akteure einzelne Exponate vor, darunter Sabine Zekorn-Löffler, Wilhelm Derix und Sigrid Börgerding. Musikalisch werden ihre Erläuterungen begleitet von Isodora Diefenbach am Klavier, die eigens für die Ausstellungseröffnung Licht zu passgenauen Klangfarben verwog.

 

von Angelika Christ